Gomphus vulgatissimus – Gemeine Keiljungfer?!

Hier könnt Ihr euch zur Bestimmung austauschen und Bestimmungsanfragen einstellen.
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Helmchen
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Gomphus vulgatissimus – Gemeine Keiljungfer?!

Beitragvon Helmchen » 21. Mai 2011, 13:05

Wenn ich nicht mal wieder total daneben liege, habe ich meine Art Nr. 34 gefunden!
Es wären super Bilder drin gewesen, aber mich griff ein kleiner Hund an und die Libelle
flüchtete sofort ... die Besitzerin fand es total lustig :roll:

Zum Fundort:
Es ist ein Bachlauf 1,0 - 1,5 Meter breit, in der Nähe befindet sich ein Fluss
bzw. der Bachlauf wird mit Wasser vom Fluss gespeist.

Weitere Arten am Bach:
- Gebänderte Prachtlibelle
- Blauflügel Prachtlibelle
- Frühe Adonislibelle
- Große Heidelibelle

Bin gespannt auf euer Feedback - ihr wisst ja ... bin mir bei neuen Arten und Pechlibellen
immer unsicher :P

P.S. Die schwarzen Beine, die Zeichnung der Brust und die Form der hinteren Segmente sprechen
für mich ganz klar für Gomphus vulgatissimus. Das werden im Juni suchintensive Urlaubstage ^^
Gruß Thomas :-)
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Beitragvon der_kex » 21. Mai 2011, 15:01

Hi Tom,
in dieser Angelegenheit (G. vulgatissimus) war ich heute auch erfolgreich an der Rems
unterwegs. (Habe aber meine Bilder noch nicht gesichtet)
Die Bestimmung ist ja recht einfach: Komplett schwarze Beine und grünlich/gelblicher
Thorax ...
Da sage ich: Herzlichen Glückwunsch!

Flogen deine auch immer in einem Affenzahn knapp über der Wasseroberfläche? Und
tauchten dann wieder in die Baumkronen ein? Das taten sie jedenfalls bei mir.
Die sind noch schwerer zu bekommen als die Grüne Flussjungfer, finde ich, weil sie
sehr nervös sind und eine große Fluchtdistanz haben. Außerdem sind sie ab und zu
knapp überm Wasser geflogen und sind dann kopfüber eingetaucht um dann mit
veränderter Flugrichtung weiterzufliegen ... als ob sie tränken oder einen Verfolger
abschütteln wollten.

LG Christian
Liebe Grüße,
Christian
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Beitragvon der_kex » 21. Mai 2011, 18:39

Ich erlaube mir mal noch diesen Thread etwas zu erweitern.
Dazu möchte ich bezüglich dieser Art positive Beobachtungen ergänzen, die
für Interessierte spannend sein könnten.

Am 25. April hatte ja Bernhard (Paulsche) eine Beobachtung eines jungen Männchens
der Art an der Rems gemacht und diese hier gepostet.
Ich suchte in der folgenden Woche dann einige Kilometer remsaufwärts (bei Lorch)
selbst nach der Art und konnte in der Tat auch ein frisches Männchen (mit angelegten
Flügeln - also max. 1-2 Tage alt - 1. und 2. Bild) finden und dokumentieren.
Danach hatte ich 2 Wochen Stress in der Schule, so dass keine Beobachtungen möglich
waren.
Nun habe ich heute (also nach der Reifephase der Tiere) einige Tiere jagend an der Rems
angetroffen (3. Bild - zeigt eines davon). Keine 100m von der Fundstelle des jungen Männchens
entfernt. Die Tiere kamen so gegen 9.30 bis 10.00 Uhr heraus und flogen zunächst wild
knapp über der Wasseroberfläche entlang und setzten sich ab und zu an verschiedene
Stellen (auf Felsen und Kiesbett bzw. Treibholz am Ufer). Immer wieder verschwanden sie
auch in die Baumwipfel der Ufervegetation (hohe Bäume und hohe besonnte Büsche).
Die Tiere waren sehr scheu und nervös und die Fluchtdistanz war beträchtlich ... fast
unmöglich heranzukommen. Außerdem waren die Tiere so energiegeladen, dass sie, wenn
sie saßen ständig die Flügel mit kleinen Pausen am Vibrieren hatten - also immer
startbereit waren. So auch das gezeigte Exemplar.
Ab etwa 11.15 wurden die Patrouilleflüge seltener und die Tiere steuerten immer wieder
die Baumkronen an. Das war der Zeitpunkt, zu dem ich auch gehen musste.
also packte ich kamera und Fernglas wieder ein und zog von dannen.

Diese Art war viele Jahre von der Rems verschwunden und scheint sich nun wieder anzusiedeln.
Die Wasserqualität scheint sich in den letzten paar Jahren entscheidend verbessert zu haben,
auch wenn sie immer noch nicht TOP ist, so doch ausreichend, dass diese nicht anspruchslose
Art zurückkehrt.

Wer genau aufgepasst hat, wird gemerkt haben, dass das leider kein lupenreiner Bodenständigkeits-
nachweis war, aber für mich zählt das so gut wie einer.

In den einschlägigen Foren sind dieses jahr vermehrt Aufnahmen der gemeinen Keiljunger
zu sehen, so dass ich davon ausgehe, dass entweder mehr Leute Libellen fotografieren, oder/
und die Art sich flächendeckend wieder ausbreitet entlang der deutschen Flüsse.
Das wäre sehr erfreulich.

LG Christian
Dateianhänge
Kamera: EOS 40D
Objektiv: Sigma 150mm
Aufnahmedatum: 04.05.2011
Region/Ort: bei Lorch
Lebensraum: Wiese an der Rems
Artenname: Gomphus vulgatissimus (frisches Männchen)
NB
sonstiges: Männchen hat Flügel angelegt - ist also nicht lange nach dem Schlupf
Gomphus vulgatissimus_m_juvenil_IMG_9874.jpg (323.96 KiB) 658 mal betrachtet
Gomphus vulgatissimus_m_juvenil_IMG_9874.jpg
Aufnahmedatum: 04.05.2011
Region/Ort: bei Lorch
Lebensraum: Wiese an der Rems
Artenname: Gomphus vulgatissimus (Gemeine Keiljungfer)
NB
sonstiges: Männchen kurz vor dem Abflug
Gomphus vulgatissimus_m_juvenil_IMG_9865.jpg (376.14 KiB) 655 mal betrachtet
Gomphus vulgatissimus_m_juvenil_IMG_9865.jpg
Aufnahmedatum: 21.05.2011
Region/Ort: bei Lorch
Lebensraum: Rems, flacher Staubereich (Felsen) mit Schnellen nach dem Absatz und kleinen Kiesbänken als Ruheplätze
Artenname: Gomphus vulgatissimus (Gemeine Keiljungfer)
NB
sonstiges: Gereiftes ausgefärbtes Männchen bei Jagd und Patrouilleflug
Gomphus vulgatissimus_m_ausgefärbt_IMG_1474.jpg (202.75 KiB) 656 mal betrachtet
Gomphus vulgatissimus_m_ausgefärbt_IMG_1474.jpg
Liebe Grüße,
Christian
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Beitragvon Helmchen » 21. Mai 2011, 20:12

Klasse Bilder und ein super Text!
Ich muss morgen auch sofort wieder an den Fluss und die Art suchen ^^
Deine Bilder sind da nicht ganz unschuldig dran ;-)

Bei mir sind es zum Glück nur 5-10 min zu Fuß :-)

Kann es übrigens sein das man mehr in Sträuchern und Büschen schauen muss?
Gruß Thomas :-)
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Beitragvon der_kex » 21. Mai 2011, 21:26

Du, das weiß ich nicht. Ich habe nur Vermutungen.
Ich glaube, dass die in den Baumkronen übernachten, dann aufgewärmt werden und
eben so gegen 9 halb 10 rauskommen (zumindest hier). Sie scheinen kein klares Muster
aufzuweisen, was die Sitzwarten angeht: Denn sie sitzen laut anderer Leute Beobachtungen
auch an erhöhten Stellen am Ufer (angeblich gern auf hohen Brennnesselblättern), um
die Übersicht über ihren Flussbereich zu haben. Alternativen gibt es scheinbar viele:
- Felsen
- Treibholz
- Kiesbänke
- Baumkronen
- ... ?
mal im Flussbereich, mal eher am Ufer ...

Nach dem heutigen Tag musste ich das Resumée ziehen, dass es verdammt schwierig ist,
diese Art gezielt zu suchen und zu fotografieren. Es geht zwar, erfordert aber eine ziemliche
Geduld. Ich vermute auch, dass die Reviere relativ groß sind und dass die Tiere im Schnitt
gefühlte 10-15 Minuten für wiederholte Verhaltensmuster brauchen. Das beruht aber alles
nur auf der heutigen Beobachtung von max. 3 Tieren. Daher ohne jede Gewähr.

Meine Methopde war die:
Ich habe mich in die Mitte des Flüsschens gesetzt (etwas in Deckung im Wasser) und
von dort aus den Luftraum direkt über der Wasseroberfläche im Blick gehabt. Vor allem
sieht man dann die vielen Prachtlibellen (90% Blauflügel und 10% gebänderte), die entlang
des Ufers fliegen. Da das Habitat aber an mehrere andere Habitattypen (Seen und Gräben)
grenzt, kamen aber auch Blaupfeile, Plattbäuche, eine Königslibelle und Falkenlibellen
vorbei ... das kann dann schon ablenken.
Außerdem fliegen eine Menge Kleinlibellen: Große Granataugen, Hufeisen-Azurjungfern,
Pechlibellen usw.
Wenn ich dann eine den Fluss entlangschießen sehe, versuche ich ihr mit Augen oder
Fernglas zu folgen und mitzubekommen, wo sie sich absetzt. Meist fliegen sie so hakig und
schnell, dass man sie irgendwo verliert. Wenn sie dann absitzt, kommt die Annäherung ...

Im Prinzip haben wirs ja mit den Grünen in KA genauso gemacht. Nur dass die nicht ganz
so schnell jagend daherfliegen. Man braucht viel Glück und gute Nerven für eine vernünftige
Aufnahme.

Dir bei der Jagd viel Erfolg und eben dieses Glück!

LG Christian
Liebe Grüße,
Christian
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Beitragvon Helmchen » 21. Mai 2011, 21:36

Ich seh schon, dass gibt was ^^

Ich hab heute nur eine beobachtne können und die hatte ihren Lieblingsbusch direkt
über dem Bach. Bin kurz bevor ich zu nem Geburtstag musste noch einmal dran vorbei
gelaufen und da sahs sie wieder auf dem Busch.

Ich werde morgen mal entlang vom Fluss schauen, dass wird ja nicht die einzigste gewesen
sein. Wünsch dir weiterhin viel Erfolg und halte mich auf dem Laufenden. Das in KA war damals
leichter, da ging es ja um 10-20 Meter Flusslauf ^^
Gruß Thomas :-)
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Beitragvon der_kex » 21. Mai 2011, 22:56

Vielleicht verhalten sie sich an einem kleineren Fließgewässer anders.
Die Rems hat geschätzte 20 Meter Breite an der besagten Stelle ...

Hängt ja sicher auch von der Individuendichte ab - die scheint an der
Rems nicht so groß zu sein, da die Art ja meiner Vermutung nach in
der Besiedelungsphase ist.
Liebe Grüße,
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Beitragvon Helmchen » 22. Mai 2011, 20:05

Also ich habe heute eine Uferlänge von 5km abgesucht und habe außer jede MEnge Prachtlibellen
nichts gefunden :-(

Entweder ich versuche es im Juni noch einmal wenn es auch wärmer ist, oder ich leg die Art
zu den Akten. Denke die ist einfach verdammt schwer zum gezielten Suchen :-(

Hattest du mehr Glück?
Gruß Thomas :-)
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Beitragvon der_kex » 22. Mai 2011, 20:34

@Thomas:
wie du weißt, habe ich Familie. Da kann ich nicht jeden Tag auf Tour gehen.
Ich hatte also das Glück einen schönen Tag mit meiner Familie zu verbringen. :-)
Dagegen sind Libellen zweitrangig. Auch wenn es sich hier oft anders anliest, wenn
man meine Beiträge kennt.
Und nebenbei kann ich auch nicht jeden Tag für Libellen gut 30km runterreißen. Da
würde mein schlechtes Gewissen schreien. Und die Rems ist eben etwa 15km weg
(eine Strecke). Interessant wäre es natürlich schon!
An der Fils, die ja näher ist, brauche ich so schnell nicht mit dieser Art rechnen, denn
dieser Fluss ist weitgehend gnadenlos industriell genutzt ... und fast überall unnatürlich
gebettet und begradigt ja sowieso.
Ein ander mal also vielleicht Neues - ich hoffe schon auch, noch zu ein paar Bildern
zu kommen. Aber die sind ja jedes mal hart erkämpft.
Mit diesem einen unvollkommenen bin ich schon ganz glücklich ... es ist eine Erinnerung
an eine spannende Suche, die erfreulicher Weise von Erfolg gekrönt war.

LG Christian
Liebe Grüße,
Christian

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