Ich glaub's nicht ...
Da kommt ein Makrofotografieinteressierter eigens ins Makro-Forum und fragt um Rat ... und wird dermaßen falsch informiert, daß sich einem die Zehennägel aufrollen. Das ist hier kein Makro-Forum, sondern ein Kasperletheater ...
Das
Nikon AI-S Micro Nikkor 1:4/105 mm ist ein ganz ausgezeichnetes Makroobjektiv, das selbstverständlich -- wie jedes anderes bessere Makroobjektiv auch -- bis zum Abbildungsmaßstab 1:1 korrigiert ist. Von wegen "es geht nur bis 1:2"! Wer auf den Autofokus verzichten kann oder verzichten will, für den ist es eine ausgezeichnete, ja sogar bessere Alternative zu den heutigen AF-Makroobjektiven. Besser, weil es sich (wie Mike schon erwähnte) viel feinfühliger einstellen läßt als ein AF-Objektiv, dessen Entfernungseinstellung im Vergleich stets wackelig und gefühllos ist.
Das AI-S 4/105 ist ein nach alter Väter Sitte rein auszugsfokussiertes Objektiv. Das heißt, im Gegensatz zu modernen AF-Makroobjektiven wird seine Brennweite beim Fokussieren auf größere Abbildungsmaßstäbe nicht kontinuierlich kürzer, sondern bleibt konstant. Das heißt, seine effektive Brennweite beträgt auch bei 1:1 immer noch 105 mm, während ein 105er AF-Makro heutzutage bei 1:1auf nur noch
ca. 70 mm effektive Brennweite kommt. Was das für den Arbeitsabstand bedeutet, kann sich jeder vorstellen.
Der Nachteil dieser Auslegung ist natürlich, daß die Einstellfassung voluminöser sein muß. Denn längere Brennweite bedeutet auch längerer Auszug. Deshalb ist der Arbeitsbereich dieses Objektives zweigeteilt. Die eingebaute Einstellfassung reicht "nur" bis 1:2, und der Bereich von 1:2 bis 1:1 wird mit dem zusätzlichen Zwischenring PN-11 erreicht. Der entscheidende Punkt dabei ist aber: das Objektiv ist bis 1:1 voll durchkorrigiert; mit Zwischenring PN-11 (oder jedem anderen Zwischenring ähnlicher Länge) bleibt die Abbildungsleistung voll erhalten.
Versucht man, ein modernes, gemischt fokussiertes (also teils auszugs-, teils innenfokussiertes) AF-Makro mit Zwischenringen auf
über 1:1 zu zwingen, so fällt die Leistung rasch in den Keller, weil die Korrektur nicht für den Bereich über 1:1 vorgesehen ist. Das ist beim AI-S 4/105 auch der Fall -- aber eben erst
jenseits von 1:1. Im Bereich
bis 1:1 bleibt seine Leistung auch mit Zwischenring voll erhalten.
Der Vorteil der modernen Auslegung ist natürlich, daß man von unendlich bis 1:1 in einem Zuge durchfokussieren kann. Bei der älteren, rein auszugsfokussierten Auslegung mit Zwischenring muß man jedesmal, wenn der Abbildungsmaßstab 1:2 über- oder unterschritten wird, den Zwischenring einsetzen bzw. herausnehmen. Doch dieser handhabungstechnische Nachteil wiegt in der Praxis gar nicht so arg schwer und wird außerdem durch die seidenweiche, feinfühlige manuelle Fokussierung und den Erhalt der vollen Nennbrennweite auch bei 1:1 mindestens wettgemacht.
Der, der da ein AI-S Micro Nikkor 1:4/105 mm für lächerliche 130 Euro abgegriffen hat, dürfte jetzt Purzelbäume schlagen vor Freude. Denn das ist praktisch geschenkt, selbst wenn der Zwischenring PN-11 nicht dabei sein sollte. Selbst der doppelte Preis wäre noch äußerst günstig (guter Zustand des Objektives vorausgesetzt).
-- Olaf