Mike hat geschrieben:... mit meiner Analogtechnik ist es möglich, scharfe, kontrastreiche Bilder zu produzieren. Ich verstehe
DSLR-Kameras eigentlich genauso, nur das ein anderes Speichermedium gewählt wird. Irre ich mich da?
Da irrst du dich. Der Unterschiede sind weit mehr als nur das Speichermedium.
Die visuelle Schärfe ist aus mehreren (optischen, physikalischen & informationstheoretischen) Gründen stets geringer als bei Analogaufnahmen, deshalb muß
immer nachgeschärft werden. Das heißt aber nicht, daß optische Leistung egal wäre und daß man, wenn eh nachgeschärft werden muß, ebenso gut leistungsschwache Optiken einsetzen könnte. Denn hohe optische Leistung sorgt für hohen Detailreichtum. Aber erst die Nachschärfung macht aus detailreichen Bilddateien scharfe Bilder.
Na schön, dann wird eben nachgeschärft ... kann man das nicht einfach der Kamera überlassen, so daß die Bilder gleich fertig geschärft hinten rauskommen? Nein, kann man nicht. Oder na ja, man kann schon (einfache Digiknipsen tun genau das), doch dann verschenkt man viel vom Potential der Aufnahmen. Denn eine pauschale Nachschärfung kann niemals allen konkreten Anforderungen gerecht werden. Denn welches Maß an Nachschärfung optimal ist, hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere von der Skalierung, der Kompression, dem Verwendungszweck und nicht zuletzt dem Inhalt (!) des Bildes. Deswegen schärfen bessere Kameras gar nicht oder höchstens hauchzart nach -- was von unwissenden Anfängern häufig als "schlechtere Bildqualität" fehlinterpretiert wird -- und überlassen die Nachschärfung der individuellen Nachbearbeitung.
Und von der Schärfung abgesehen gibt es noch ein paar andere obligatorische Bearbeitungsschritte -- nämlich insbesondere Hinzufügung von Metadaten (Stichwörter für spätere Suche, Bildbeschreibung, Copyright-Daten), Beschnitt, Skalierung (d. i. Vergrößern/Verkleinern), Umwandlung in das je nach Verwendungszweck geeignete Dateiformat (TIFF 16 bit, TIFF 8 bit, JPEG ... um nur die allerwichtigsten zu nennen) und Kompression (bei JPEG). Und eben die Nachschärfung. Diese Schritte sind absolut unvermeidlich ... und das hat nichts damit zu tun, mittelmäßige Aufnahmen nachträglich aufzupeppen.
Dann gibt es einige einfache Bearbeitungsvorgänge, die nicht
unbedingt sein müssen, die aber häufig mit wenig Aufwand das Ergebnis dramatisch verbessern können. Dazu gehören globale Tonwertkorrekturen, Kontrastkorrekturen, nachträglicher Weißabgleich und ggf. die Beseitigung von Farbstichen. Diese Dinge ist absolut kein Hexenwerk, im Handumdrehen erlernt und gehören zum Standard-Repertoire auch einfachster
EBV-Software.
Alles, was darüber hinausgeht, wäre dann gehobene bis hohe
EBV-Kunst und muß nicht unbedingt sein. Aber mindestens die genannten Bearbeitungsschritte muß jeder Digitalfotograf mit einem Minimum an handwerklichem Anspruch beherrschen, sonst braucht man eine Digitalkamera gar nicht erst in die Hand zu nehmen.
-- Olaf