Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 150mm, bei 2:1

Mikrofotografie: * ABM >1:2 bis 80:1 * in der Regel Indoorfotografie. Zusätzl. Lichtschrankenfotografie
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Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 150mm, bei 2:1

Beitragvon Guppy » Mo Sep 18, 2017 13:17

Hallo

Schon wieder eine Hornisse.
Ja, denn je mehr man sich mit einem Objekt, oder/und der Ausrüstung auseinander setzt, um so interessanter wird es!

Je grösser der freie Arbeitsabstand ist, umso besser kann Licht gesetzt werden.
Dies gilt allerdings nur dann, wenn der Durchmesser der Linsenfassung gleich gross ist.
Mikroskop Objektive mit höherem freien Arbeitsabstand besitzen oft auch einen grösseren Objektivdurchmesser,
was dann betreffend Beleuchtungsmöglichkeit keinen Vorteil ergibt.

Bei einem Abbildungsmasstab von 2:1 kann man folgende Objektive verwenden:
Rodenstock APO Rodagon 1:2.8, f = 50mm, freier Arbeitsabstand = 60mm
Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 105mm, freier Arbeitsaabstand = 113mm, oder
Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 150mm, freier Arbeitsabstand = 200mm
Die Objektive besitzen einen Durchmesser von etwa:
50mm Objektiv = 50mm
105mm Objektiv = 50mm
150mm Objektiv = 60mm
Die Abschattung durch den Objektivdurchmesser unterscheidet sich nur wenig, jedoch besitzt das 150mm Objektiv,
im Vergleich zum 50mm Objektiv einen mehr wie dreimal höheren freien Arbeitsabstand, was mehr Freiheit bei der Lichtsetzung zu lässt.
Die Auflösung des 150mm Objektivs ist im Vergleich zum 50mm Objektiv etwa 10% geringer, was je nach Objekt knapp oder nicht sichtbar ist.
Eine grössere Freiheit in der Lichtsetzung, kann bessere Bilder ergeben, was das leicht reduzierte Auflösungsvermögen wett macht.
Ein entscheidend und gut sichtbaren Qualitätsunterschied im Bild, ist mit dem 150mm Objektiv erreichbar,
wenn man von der Möglichkeit Gebrauch macht, eine Sonnenblende (Kompendium, innen schwarzes Rohr) verwendet.
Ich verwende ein 60mm langes Rohr vor dem Objektiv, dass innen schwarz und stark lichtabsorbierend ist.
In der Fotografie ist das Kompendium eine "matte Box" die oft auch aus 3 schwarzen Blenden (French Flags) besteht
und vor das Objektiv montiert wird, um Streulicht zu dämpfen, etwa so wie eine Sonnenblende.
Somit gelangt zur Frontlinse kein seitliches Streiflicht. Vagabundierendes Licht, oder Falschlicht, also herumirrendes Licht,
das eigentlich nicht an der Bildentstehung beteiligt sein sollte und das Bild eher flau und diffus macht.
Dieser Effekt wird oft unterschätzt!
Da ein langes Rohr (Sonnenblende, Kompendium) aber die Beleuchtungsmöglichkeit des Objektes einschränkt, ist ein möglichst hoher freier Arbeitsabstand von Vorteil.

Oft nimmt man an, dass schwarzes mattes Papier, dazu bestens geeignet ist.
Das recht aber oft nicht aus, denn auch schwarzes Papier reflektiert Licht immer noch gut sichtbar
und erscheint deshalb oft, eher nicht als schwarz, sondern je nach Lichteintrittswinkel als grau bis hellgrau.

Als "lichtschluckendes" Material hat sich bei mir, schwarze selbstklebende, haarige Folie bewährt (Hi-tack flocked light trap material, self-adhesive).
Sie ist auch, als ein sehr guter gleichmässig schwarzer Hintergrund geeignet.

So beleuchtete Objekte wirken sichtbar klarer und auch in den Farben kontrastreicher.
Es kann somit diffuser beleuchtet werden, was weniger dunkle "Löcher" entstehen lässt.
Als Beispiel zeige ich folgendes Bild, das nicht speziell auf knackig getrimmt ist und mir dadurch besser gefällt.

Kurt
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Objektiv: Rodenstock Rodagon 1:5.6, f = 150mm
Belichtungszeit: Blitz
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Aufnahmedateiformat (RAW/JPG): RAW
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sonstiges: Stack aus ca. 150 Bildern im Abstand von 0.05mm
04293_D810_Rodagon150mm_5p6_2zu1_Vespa_crabro_005.jpg (438.31 KiB) 287 mal betrachtet
04293_D810_Rodagon150mm_5p6_2zu1_Vespa_crabro_005.jpg
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Beitragvon Enrico » Mo Sep 18, 2017 13:59

Hallo Kurt,

danke für die tollen Infos.
Von so einer Folie habe ich vorher noch nie gehört.
Zu dem Bild kann man gar nicht viel sagen
ausser das mir beim Anblick die Spucke wegbleibt.
Das ist der absolute Oberhammer !!!
So fein, so irre tolle Details, sowas von clean und nicht überschärft, keine halos oder ähnliche Fehler...
Aber die angenehme gleichmässige Ausleuchtung ist ganz gross !!!
Bin platt :swoon:
Darf ich fragen, wie lange Du an einem solchen Bild nacharbeiten musst ?
Zuletzt geändert von Enrico am Mo Sep 18, 2017 13:59, insgesamt 1-mal geändert.
LG Enrico


Ein Kind zu lehren, nicht auf eine Raupe zu treten
ist ebenso wertvoll für das Kind, wie für die Raupe.

-Bradley Miller-
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Beitragvon Guppy » Mo Sep 18, 2017 14:24

Hallo Enrico

Vielen Dank für die lobenden Worte.

Bei der Bearbeitung nahm die Retusche die meiste Zeit in Anspruch.
Da ich die Hornisse gründlich gebadet habe und sie mit Luftspray geföhnt, war sie weitgehend von Fuseln und hell aufleuchtendem Schmutz befreit,
jedoch war das eine Facettenauge in einem etwas grösseren Bereich verletzt.
Mehrere Versuche der Retusche waren da nötig.
Eigentlich bevorzuge ich Affinity Photo, doch diesmal war die Retusche mit PhotoShop "Ausbessern-Werkzeug" erfolgreicher.
Bereich umfahren und leicht verschieben, PhotoShop ergänzt die gebogene Anordnung der Ommatidien und auch ihre Grössenveränderung.
Die restliche minimale Bearbeitung nahm eine halbe Stunde in Anspruch.
Wobei ich es als dienlich erachte, wenn man nicht alles am Stück macht, sondern mit etwas zeitlicher Distanz, das Bild noch einmal beurteilt und eventuell an den Tonwerten noch etwas herumzupft.
Die meiste Zeit nahm die Vorbereitung in Anspruch, etwa 2 Stunden.

Kurt
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Beitragvon Hans.h » Mo Sep 18, 2017 17:30

Hallo Kurt,

Ja, ein großer Arbeitsabstand ist schon eine gute Sache und ermöglicht es, das Licht sehr viel ausgewogener steuern.
Auch diese Variante Deiner Hornisse ist ausgesprochen gut in der Qualität...nein, ich korrigiere mich. Es ist großartig in der Qualität.. :DH:
Besonders schön finde ich die sehr weiche Ausleuchtung der reflektierenden Flächen.
Das ist schon das Non -plus -ultra in der Mikrofotografie. :ok:

Hans. :)
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Beitragvon klaus57 » Mo Sep 18, 2017 21:07

Hallo Kurt,
ich glaube das man das einfach nicht besser machen kann...toll mit dem Licht gearbeitet...die
extreme Natürlichkeit ist faszinierend...Hammerarbeit in jeder Hinsicht!
L.g.Klaus :ok: :ok: :ok: :good: :good: :good:
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Beitragvon Otto K. » Mi Sep 20, 2017 17:13

Hallo Kurt,

eine wundervolle Aufnahme vom Kopf der Hornisse, da gibt es nichts zu meckern.
Die Beleuchtung ist einfach genial, ein eindrücklicher Beleg für deine Ausführungen im Einleitungstext.
Toll! :ok:

Deine Erklärungen zum Umgang mit dem vagabundierenden Licht sind so wie von dir beschrieben leicht
verständlich für jedermann. Bei der Art Bilder wie sie hier in diesem Unterforum gezeigt werden kommt dem
Thema natürlich noch eine viel höhere Bedeutung zu als der Fotografie im Freiland. Bei den heute üblichen
Objektiven in der normalen Fotografie ist das vagabundierende Licht weitestgehend mit der Streulichtblende
zusammen mit der heute üblichen Vergütung gut beherrschbar, und falsch einfallendes Licht in die Komponenten
gibt es eigentlich so gut wie nicht mehr (es sei denn man kauft nur das billigste Zubehör).
Bei der Verwendung von Altglas spielt das vagabundierende Licht aber auch in der normalen Fotografie eine
nicht zu vernachlässigende Rolle. Die Vergütungen waren längst nicht auf dem Stand von heute, der Objektiv-
tubus war nicht immer lichtdicht und auch nicht immer refelxionsfrei im Inneren, dazu kamen dann noch nicht
geschwärzte Ränder der verwendeten Linsen. Die mitgelieferten Streulichtblenden waren oft eher ein hübsch
an zu sehender Scherzartikel.
Viele Grüße

Otto
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Beitragvon Gabi Buschmann » Mi Sep 20, 2017 21:35

Hallo, Kurt,

eine wirklich perfekte Ausleuchtung, die für gleichzeitig sehr
sanftes, aber auch sehr wirkungsvolles Licht sorgt. Die feinen
Details kommen hier wunderbar zur Geltung. Glückwunsch!
Liebe Grüße Gabi

______________
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Beitragvon Guppy » Do Sep 21, 2017 11:38

Hallo Otto

Gute Bilder können sich von durchschnittlichen Bildern auch dadurch unterscheiden, weil beim Fotografieren mehrere kleine,
meist einzeln kaum sichtbare Unterschiede (Verbesserungen), in der Summe zu einem gut sichtbar besseren Bild führen.

In wieweit eine Sonnenblende für weniger Streulicht sorgt, habe ich bei weissem und schwarzem Hintergrund mit einem einigermassen modernen Objektiv (AF MICRO NIKKOR 105mm 1:2.8 D) verglichen.
Ich zeige hier Bildausschnitte die bei gleicher Beleuchtung und Belichtung angefertigt wurden, man kann sie nach Gutdünken in der Helligkeit noch anpassen.
Wie die meisten Vergleiche, ist auch dieser nicht 100% relevant.
Nach meiner Meinung erkennt man aber Unterschiede und wenn man solche bei Veränderung eines Faktors, von Auge erkennt, ist er berücksichtigungswert.
Bei älteren Objektiven ist so wie du erwähnst, der Unterschied noch deutlicher.

Das folgende Bild: Hintergrund weiss, ohne Sonnenblende.
01_Hintergrund_weiss
01_Hintergrund_weiss.JPG (224.57 KiB) 193 mal betrachtet
01_Hintergrund_weiss.JPG


Das folgende Bild: Hintergrund weiss mit Sonnenblende
02_Hintergrund_weiss_mitSonnenblende
02_Hintergrund_weiss_mitSonnenblende.JPG (203.22 KiB) 193 mal betrachtet
02_Hintergrund_weiss_mitSonnenblende.JPG


Das folgende Bild: Hintergrund schwarz ohne Sonnenblende
03_Hintergrund_Schwarz
03_Hintergrund_Schwarz.JPG (236.29 KiB) 193 mal betrachtet
03_Hintergrund_Schwarz.JPG


Das folgende Bild: Hintergrund schwarz, mit Sonnenblende
04_Hintergrund_schwarz_mitSonnenblende
04_Hintergrund_schwarz_mitSonnenblende.JPG (240.8 KiB) 193 mal betrachtet
04_Hintergrund_schwarz_mitSonnenblende.JPG


Ersichtlich ist, auch im Histogramm, dass die Bilder mit "Sonnenblende" einen höheren Kontrastumfang besitzen.
Dies ist beim weissen Hintergrund deutlicher sichtbar, wie bei schwarzem Hintergrund.
Alles nicht weltbewegend, aber sichtbar.
(Bilder herunterladen und nacheinander betrachten).

Kurt
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Beitragvon Otto K. » Do Sep 21, 2017 13:13

Hallo Kurt,

danke für die Rückmeldung und den angefügten Vergleich.
Das der HG durchaus eine Relevanz hat, auch bei neuen Objektiven und mit Sonnenblende, erscheint mir logisch und
wie du auch schreibst mit bloßem Auge sichtbar.
Bei der Mikrofotografie kannst du den HG diesbezüglich optimieren (Farbe, Material, ...), bei der Freilandfotografie gibt es da aber kaum
Möglichkeiten, deswegen hatte ich das in meinem ersten Kommentar nicht ergänzt.
Viele Grüße



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Beitragvon piper » So Okt 22, 2017 13:44

Hallo Kurt,

wieder so ein Bild von Dir, wo einen
fast die Luft wegbleibt.
Was für eine Detailreichtum und eine perfekte Schärfe!
Ich bin einfach nur begeistert!
Liebe Grüße Ute


Die Freude am Kleinen ist die schwierigste Freude, denn es gehört ein großes Herz dazu.
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