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Calopteryx Virgo, Blauflügelprachtlibelle

Verfasst: 14. Aug 2014, 01:38
von Sven A.
Diese Doku ist etwas länger geworden, einigen wird sie zu ausführlich sein, dabei habe ich mich schon
kurz gefasst :DD

Moin moin,
die Eiablage von Calopteryx Virgo ist schon sehr interessant und bekommt man auch nicht alle Tage
zu sehen. Mindestens genauso eindrucksvoll finde ich, was die Männchen während dessen veranstalten.

Im Gegensatz zu Splendens liebt Virgo mehr die beschatteten Fließgewässer, weil sie für Ihre Entwicklung
kühleres und sauerstoffhaltigeres Wasser benötigen, aber man trifft sie auch zusammen an. Gibt es im
Habitat viele sonnenbeschienene Stellen mit Wasserpflanzen, welche von den Virgos und Splendens
als Eiablageplatz besetzt werden können, so kommt es relativ selten zu Streitigkeiten, nämlich dann,
wenn der "Nachbar" mal vorbeischaut. Jeder hat sein eigenes Revier.

An dem hier gezeigten Habitat ist das anders, weil es für 8 Männchen nur zwei zur Eiablage geeignete
Stellen gibt. Im Abstand von etwa 10m wächst an zwei sonnenbeschienenen und ufernahen Stellen
der Wasserhahnenfuß und bildet ca. 1,5 bis 2m lange Stängel. Diese Eiablageplätze sind in ihrer Aus-
dehnung sehr begrenzt und kaum größer als 1m² und sie sind ständig in Bewegung. Es tummeln
sich dort jeweils bis zu 4 Virgo- und ein Splendensmännchen. Während Splendens sich meist direkt
ins Revier auf eine Blüte setzt, beobachten die Virgos gerne von einer erhöhten Warte (z.B. Riesen-
bärenklau) am Ufer aus ihr Revier.

Der Konkurrenzdruck ist entsprechend hoch, weil sie zwangsweise das gleiche Revier besetzen,
welches auch noch in Bewegung ist. Solange die Sonne scheint, herrscht reges Treiben der Männchen
über den Eiablagestellen, einer jagt den anderen und manchmal scheint es, als würden sich für ein paar
Sekunden Allianzen bilden, weil sie zu dritt ein weiteres Männchen vertreiben aber diese Allianzen sind
sehr instabil.

Schiebt sich ein Wölkchen vor die Sonne kehrt augenblicklich Ruhe ein, sofern kein Weibchen im Wasser ist.
Ihr schmetterlinghafter Flug scheint chaotisch, bei genauer Betrachtung stellt man fest, wie wendig sie sind,
auf der Stelle Haken schlagend, jagen sie einander. Imponierend stellen sie dabei alle vier Flügel nach vorne.
Ich frage mich, wie man so fliegen kann, sieht es doch aus, als würden sie einen Bremsfallschirm öffnen.
Dabei scheint das Splendensmännchen im Vorteil zu sein, es ist wendiger als Virgo, denn seine Flügel
sind schmäler und nicht so paddelförmig. Die Weibchen müssen sehen wie sie in diesem Getümmel
ihre Eier ablegen, was alles andere als einfach ist. Ihre Flügel stehen dabei wie kleine bronzene Segel
aus dem Wasser und sie werden nicht selten dabei angegriffen, oder gar wieder aus dem Wasser
gezerrt. Da kommt es auch schon mal zu Verwechselungen, aber seht selbst.

Erklärungen zu den Bildern findest du im jeweiligen Feld für die Aufnahmedaten.

Verfasst: 14. Aug 2014, 01:39
von Sven A.
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Verfasst: 14. Aug 2014, 01:39
von Sven A.
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Verfasst: 14. Aug 2014, 01:39
von Sven A.
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Verfasst: 14. Aug 2014, 02:06
von Sven A.
Erklärung:
Wie man bereits an den Bildern sehen kann, ist die Qualität sehr unterschiedlich.
Ich habe mit fast allen Linsen fotografiert und gefilmt. Angefangen habe ich mit einem
manuellen Noflexar 600mm und 400mm plus Balgen, weiter ging es mit 55-200mm +ZR,
55-105 +ZR, Makro 60mm bis hin zum UWW 10-20mm und ein paar Bilder mit dem Helios 58mm.

Jeder der erwägt ähnliche Fotos oder Dokumentationen anzufertigen, sollte sich bewusst sein,
dass immer die Gefahr besteht, dass man selbst ein Störfaktor sein kann. Es ist sicher ein Unter-
schied, ob ich mal kurz eine einzelne Libelle bei der Jagd störe oder ob ich über einen längeren
Zeitraum die Eiablage einer Libellenpopulation störe.
Darüber habe ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht. Ich fotografiere häufig aktive Insekten, bin
also geübt darin, weiß mich zu bewegen. Bei diesen Fotos war ich manchmal nur wenige Zentimeter
entfernt und trotzdem denke ich, dass ich kein Störfaktor war, weil ich mich immer sehr behutsam
und sehr langsam bewegte. Ich selbst diente immer wieder als Ansitz und auch die Tatsache,
dass mich mehrmals im Wasser eine Ringelnatter besuchte, ja sich sogar an mir festhielt, zeigte
mir deutlich, dass ich nicht als Störung oder gar als Bedrohung wahrgenommen wurde.
Für die Libellen war ich nur ein Gegenstand, sonst hätte ich so manches Bild auch nicht machen
können.

Wer sich bis hierher durchgerungen hat, dem sein noch ein kleines Video gegönnt :lol:
Ich habe es nur auf die Schnelle „zusammengeschustert“ aber im Winter soll ein etwas längerer Film
folgen, sofern es meine Zeit erlaubt.
Link zum Video (2:12 Minuten in 720er HD): https://vimeo.com/103282380
Weitere Bilder gibt es in der Cloud evtl. werden noch mehr dazu kommen: http://1drv.ms/1lVQXJi


Viele Grüße
Sven

Verfasst: 14. Aug 2014, 06:27
von der_kex
Hallo Sven,
das ist eine vorbildliche und interessante Doku für Lesewillige ( ;-) ), die Bebilderung ist
umfangreich und weit gefächert: von actionreich bis sauber und scharf.
Ich finde es sehr interessant und kann deine Aufforderung sehr gut nachvollziehen,
dass man die Tiere auch mal länger einfach nur beobachtet, ohne immer gleich fotografieren
zu müssen. Das ist eine sehr sinnliche und äußerst spannende Sache für den Beobachter -
soviel kann ich aus umfangreicher Erfahrung mit dieser Praxis berichten.

Habe mir mal erlaubt, den langen, komplett ungegliederten Text mit seinen extrem langen
Zeilen ein wenig in leichter lesbare Sinnabschnitte mit gut zu bewältigenden Zeilenlängen
zu gliedern - mit dem Ziel der Lesefreundlichkeit. Ich habe außer dem Umbruch und der
räumlichen Gliederung natürlich nichts verändert.
Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel - es wäre schade, wenn die langen Textabschnitte
Leser davon abhielten, bis zum Ende durch zu kommen.

Verfasst: 14. Aug 2014, 10:53
von wolfdegen
Hallo Sven,

Ähnliches konnte ich vor ein paar Wochen von einem Paddelboot aus im Spreewald beobachten.
(nur beobachten, weil ich aus Sorge, die Cam könnte mir in das Wasser fallen, sie lieber in der Ferienwohnung gelassen habe).

So kann ich das alles sehr gut nachvollziehen und Deine umfangreichen Beobachtungen gern bestätigen.

Du hast eine sehr sehenswerte und lesenswerte und umfangreiche Dokumentation gefertigt. Hat mir echte Freude gemacht mir alles vom Anfang bis zum Ende zu betrachten.
Danke fürs Zeigen!

Verfasst: 15. Aug 2014, 15:39
von Gabi Buschmann
Hallo, Sven,

das ist ja eine ganz tolle Dokumentation mit unheimlich
interessanten Beobachtungen.
Du hast das alles sehr gut beschrieben und in deinen Bildern
dokumentiert. Da steckt viel Geduld und Mühe dahinter!
Das Video macht besonders deutlich, mit welch widrigen
Bedingungen die Weibchen hier zu kämpfen haben. Sehr
beeindruckend!
Vielen Dank für diese ausgezeichnete Dokumentation
und Kompliment!

Verfasst: 15. Aug 2014, 18:49
von Werner Buschmann
Hallo Sven,

Gratulation zu dieser Leistung.
War ja schon vorgewarnt, bin aber natürlich
erneut begeistert.

Für mich war die Info neu, dass die Weibchen
vollkommen abtauchen können.

Tolle Bilder, sehr gut beschriebene Beobachtungen und als
Schmankerl das interessante Video.

Hat mir alles viel Freude gemacht.

Verfasst: 15. Aug 2014, 19:10
von StephanFingerknoten
Hallo Sven,

ich trete hier erst einmal den Beweis an, dass ich Deinen Text gelesen habe. "Ich habe auch keine". Wer jetzt nicht die leiseste Ahnung hat, wovon ich rede, muss halt lesen ;-)

Das ist für mich eine hervorragende Dokumentation von Szenen, die ich selbst noch nie bewundern konnte und ich bin jetzt randvoll mit Informationen, die ich erst einmal verarbeiten muss.

Vielen Dank für Deine Mühe, hat nicht nur Spaß gemacht in die Libellenwelten einzutauchen, sondern war auch sehr lehrreich.

LG
Stephan