Heut geht´s nochmal um eine Spinne, die Aufnahmen sind während einer Langzeitbeobachtungen im Lauf eines Jahres entstanden. Da ich es bestenfalls auf 10 Bilder reduzieren möchte, mach ich zwei Happen draus (5 Bilder pro Doku sind ja nur möglich!), der 2.Teil folgt dann demnächst!
Bild 1: zeigt den Akteur, die Speispinne Scythodes thoracica. Die Art gehört zu einer vorwiegend tropisch verbreiteten Familie, nur zwei Arten haben es nach Europa geschafft, nur die eine bis nach Deutschland! Im Mittelmeerraum lebt die 4-6mm große Spinne im Freien unter Steinen, bei uns nur synanthrop in Häusern. Das Bild zeigt sie also in ihrer für uns natürlichen Umgebung, sie bevorzugt anscheinend ältere Häuser mit großem Holzanteil. Ihre Verbreitung im Bundesgebiet ist sehr lückenhaft und jeder Arachnologe freut sich über eine Begegnung mit ihr.
Auffallend ist der große Vorderkörper und das lyraförmige Zeichen auf der Prosomaoberseite ("Rücken").
Bild 2: Im Portrait sieht man eine Besonderheit unter den Spinnen: Scythodes hat nur 6 Augen! Diese sind allerdings recht schwach, die Spinne orientiert sich fast ausschließlich taktil und durch feine "Hörhaare", die Luftschwingungen registrieren! Auffallend auch, dass die Mundwerkzeuge sehr schwach ausgebildet sind! Trotzdem ist die kleine Spinne ein ausgezeichneter Jäger!
Bild 3: Zeigt sie nach erfolgreicher Jagd. Das Opfer wird nachts in einem schleichenden Jagdzug aufgespürt und in einem Abstand von 0,5-2 cm kommt nun die besondere Waffe der Spinne zum Tragen. Sie spuckt nämlich aus ihren Kieferklauen (Cheliceren) einen Leimfaden aus, der in einer spezialisierten Drüse im Prosoma erzeugt wird. Die Fäden überziehen das Opfer in einer zickzackförmigen Anordnung und kleben es förmlich am Untergrund fest. Die Leimfäden sind gut am Opfer zu sehen. Diese Art des Beutefangs ist einzigartig unter den mitteleuropäischen Webspinnen!
Bild 4: Nach dem Fixieren, erfolgt dann oft der Giftbiss in die wehrlose Beute. Die hier erbeutete Fliege, war bei der Aufnahme allerdings wohl schon etwas länger tot, sodass es sich hier wohl schon um den Fressakt handelte. Gut zu erkennen sind in dem Bild und auch in Bild 3, die langausgezogenen, in der Basis ballonförmigen Endglieder der Pedipalpen (Kiefertaster) der Spinne, die uns zeigen, dass es sich um ein adultes Männchen von thoracica handelt. Wir werden diese Organe noch im Einsatz sehen!
Bild 5: Die Paarung bei Spinnen ist häufig ein riskantes Unterfangen für die Männchen! Nicht so bei thoracica. Ich hab selten einen kleinen Spinnenfreier gesehen, der so zielstrebig und dominant zur Sache ging! Mir persönlich sind auch keine Literaturangaben zur Paarung geläufig und Bilder zur Paarung dürften auch noch nicht allzuoft gemacht worden sein.
Der kleine Wicht geht sofort zum "Angriff" über und während die Dame in eine Art Trace verfällt trommelt er mit den Vorderbeinen auf den Kopf der Angebeteten ein. Dieser "liebevolle, zärtliche Balzakt" dauert ca 30 sec. und während er dabei am ganzen Körper zittert und kaum zu beruhigen ist, lässt sie die Zeichen seiner Zuneigung mit "erstarrter" Gelassenheit über sich ergehen.
So wie`s weitergeht, erfahrt ihr in der Fortsetzung! Ach ja, alle Aufnahmen wurden mit dem MPe gemacht, ohne Blitzeinsatz.
LG Jürgen







