Backwald ???

Interessante Beobachtungen aus dem Leben unserer Makromotive oder unserer Naturmotive mit dokumentarischem Charakter
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kilosierra
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Backwald ???

Beitragvon kilosierra » 22. Okt 2014, 07:55

Ich bin nicht sicher, ob ich hier wirklich richtig bin, wenn nicht, dann verschiebt bitte meinen Beitrag.

Hier möchte ich eine Art der Waldnutzung vorstellen, die leider seit über 60 Jahren nicht mehr betrieben wird, deren Auswirkungen aber noch zu sehen sind.
Es geht um die "pins de boulange" ein Begriff, den ich recht frei mit Backwald übersetze. Vielleicht kann Jean eine treffendere Übersetzung vorschlagen.

Hier im Zentralmassiv sieht man manchmal Kiefernwälder, meist auf Vulkanhügeln, die völlig verknickte Stämme haben. Weiter oben sind die Stämme dann gerade.
Diese Bäume wurden regelmässig beschnitten und dadurch gehindert, gerade Stämme auszubilden. Das Ziel war, möglichst viel kleines Holz in niedriger Höhe ernten zu können. Das Holz wurde gebündelt und an die Bäcker zum Beheizen der Öfen verkauft, daher der Name: bois de boulange, pins de boulange oder pinatelle.

Unter diesem Link gibt es noch eine gute Beschreibung

Kennt Ihr etwas Ähnliches in anderen Gegenden?

Liebe Grüsse
Kerstin
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Beitragvon ji-em » 22. Okt 2014, 08:07

Hoi Kerstin,

Wie interessant !

Wie fantastisch und grosszügig und duldsam sind sie
doch ... unsere beste Freunden, die Bäume !

Ich wusste nichts von diese Nutzungs-Art ... Aber beim
Betrachten von deine Bilder, ist mir plötzlich ein Wald
auf Kreta in dem Sinn gekommen, wo das auch praktiziert
wurde. Damals dachte ich noch: Was sind das für Menschen doch,
die Bäume derart verstümmeln ? Jetzt verstehe ich !

Ich weiss nicht so auf Anhieb, wie man so'n Nutzung in Deutsch bezeichnen
sollte ... Aber ich habe einige Kollegen die das vielleicht wissen.
Ich frage mal nach.

Hab viel Dank für die sehr schöne, aber irgendwie doch
traurige Bilder ... von diese amputierte Bäume ...

Lieber Gruss,
jean
Vergleichen macht vieles klar ... ! :-)
Mein Kommentar wiederspiegelt nur meine momentane, bescheidene, persönliche Meinung.
Bitte, auf kein Fall, persönlich auffassen auch wenn ich mich irreführend mitgeteilt habe.
Ich lese lieber 2-3 aufrichtige, negative Kommentare ... als gar keine ! :-)
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Beitragvon Otto K. » 22. Okt 2014, 16:57

Hallo Kerstin,

deine Bilder gefallen mir sehr gut und zudem dokumentieren sie auf eine sehr eindrucksvolle Art die Nutzung dieses Waldes. Schade finde ich wie viele Leute arglos an den Bäumen vorbeigehen und die Veränderung gar nicht registrieren.

Bei Kiefern habe ich diese Art der Waldwirtschaft noch nicht gesehen, aber bei Birken und zwar im Lake District im Norden Englands.

Dort gibt es heute als kleines Industriemuseum eine sogenannte "Bobbin-Mill" zu besichtigen, bei der es auch regelmäßig Vorführungen und Führungen durch den angrenzenden Birkenwald gibt.

Die heute alten Birken haben alle keinen echten Stamm, sie wurden früher alle ca. einen halben Meter über dem Boden abgeschnitten. Dadurch verzweigten sie stark, auch die Zweige wurden regelmäßig ausgedünnt und regelrecht gepflegt / kultiviert. Da Birken schnell wachsen hatte man somit nach ca. 10 Jahren anstatt nur einem Stamm acht bis zwölf gerade Äste mit dem erforderlichen Durchmesser zur Herstellung der Bobbins. Zu dieser Zeit handelte es sich eben noch um echte Nutzwälder.

Bis 1971 wurde diese mit einer Dampfmaschine und Transmissionsriemen betriebene Bobbin-Mill industriell genutzt und belieferte die Garnindustrie weltweit, danach setzten sich dann mehr und mehr die Kunststoffspulen durch.

Bobbin ist der englische Begriff für Garnspule.

Ich habe Bilder von der Bobbin-Mill (Negative, digitalisiert) aber leider nicht von den verstümmelten Bäumen.
Viele Grüße

Otto
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Beitragvon Gabi Buschmann » 23. Okt 2014, 17:58

Hallo, Kerstin,

deine Bilder dokumentieren die von dir beschriebene
Verformung der Bäume wunderbar.
Ich finde deinen Beitrag hier richtig, dokumentiert
und informiert er doch über ein interessantes Phänomen
in der Natur, das durch menschlichen Eingriff entstanden
ist.
Vielen Dank für die Info und auch an Otto für die Ergänzung
durch Otto. Soweit ich weiß, gibt es sowas auch in Deutschland,
mir ist nur im Moment der Begriff entfallen. Wenn er mir
wieder einfällt, ergänze ich das noch.
Liebe Grüße Gabi
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Beitragvon Werner Buschmann » 24. Okt 2014, 23:21

Hallo Kerstin,

das sind beeindruckende Bilder einer früheren
Waldbewirtschaftungsform.

Vergleichbares findest Du in Deutschland unter dem Begriff
Hauwald oder Niederwald:

http://de.wikipedia.org/wiki/Niederwald

Deine Bilder erinnern mich aber zusätzlich an immer noch in
Einzelexemplaren existierende Wuchsformen von Bäumen im
Rheingau.

Es handelt sich um Überreste eines mittelalterlichen Befestigungsbaus
aus lebendem Baumaterial.

Geeignete Pflanzen wie z.B. die Hainbuche wurden bodennah eingeschlagen,
umgeknickt und mit der Krone in den Boden gesteckt oder die Äste mit anderen
verpflochten, so entstand eine bis zu 50 m breite undurchdringliche Dickung.

Bei uns ist es das Rheingauer Gebück.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rheingauer_Geb%C3%BCck
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Werner
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Beitragvon Sven A. » 3. Nov 2014, 21:43

Moin Kerstin,
eine interessante Nutzung des Waldes hast du da dokumentiert.
Derlei war mir nicht bekannt.
Hier gibt es noch Reste der einstigen Lohewälder, die bis um 1900 entstanden und bewirtschaftet wurden.
Die Lohe war die Eichenrinde, welche aufgrund ihrer Säure zum Gerben von Leder genutzt wurde.
Somit gibt es noch viel Eichenwald bei uns, mit relativ gleichmäßigen dünnen Stämmen, also noch nicht so alt.
Dieser wird noch heute genutzt, durch sogenannte Gehöverschaften (zusammenschluss von Privatleuten mit gemeinschaftlichen Waldbesitz und deren Nutzung, oft viele hundert Jahre alte Gemeinschaften,
was schon an den Maßeinheiten erkenntlich wird, man misst in Ruten und Schuh, rechnet im 16er System...)
Das gute daran ist, dass keine überschweren Waldmaschinen (Harvester) in den Wald kommen,
sondern nur recht kleine Traktoren und es wächst viel mehr Holz nach, als geschlagen wird.

Sonst sieht man hier noch vereinzelt verstümmelte Weiden, welche nicht höher als 1,5 m sind.
Ihnen schneidet man jedes Jahr die Zweige ab, welche dann noch sehr weich und Flexibel sind.
Früher hat man daraus Körbe und Hotten geflochten und im Weinbau wurden sie auch zum Aufbinden verwendet,
also wie ein Seil genutzt.

Interessant sind auch die anderen hier genannten Nutzungsformen.
Hier lernt man immer was dazu :-)

Viele Grüße und danke fürs Zeigen
Sven
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Beitragvon Ajott » 18. Nov 2014, 13:18

Hallo Kerstin, Hallo alle anderen,

ein für mich sehr interessanter Beitrag, weil er meinen Fokus ein bisschen ausreizt. Die Wälder sehen sehr bizarr aus. Interessant, auch die Ursache zu kennen dank deiner Doku und der Erklärung dazu.

liebe Grüße
Aj
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Beitragvon fossilhunter » 18. Nov 2014, 18:05

Hi Kerstin !

Das sind auch einfach klasse Bilder, welche du hier zeigst ! Und die Nutzung eines Waldes in dieser Form war mir wirklich neu - daher danke fürs zeigen !

lg

Karl
lg Karl

Ich erteile dem Makro-Forum die Generalerlaubnis, meine im Forum geposteten Bilder - mit Info an mich und Vetorecht meinerseits - zu duplizieren und in der AG einzubauen.

Mehr Infos zu Naturschutz und Makrofotografie in der Steiermark siehe : naturschutz.kaphi.at

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