Enrico hat euch ja bereits seine Version unseres gemeinsamen Morgens am Kaiserstuhl erzählt: trübes Wetter, ein angeblich beschwerlicher Aufstieg, eine erschöpfte Spinnenmutter - und ein höchst merkwürdiges, am Ende aber doch erstaunlich nützliches Stativ.
Während Enrico noch hingebungsvoll seine Frontale plante, machte sich ein weiterer achtbeiniger Bewohner bemerkbar: dieser Dornfinger.
Im Gegensatz zu Enricos Spinne wirkte er allerdings keineswegs am Ende seiner Kräfte. Eher sah er aus wie der Türsteher des Kaiserstuhls, der gerade überlegte, ob drei durchnässte Makrofotografen überhaupt ins Revier gelassen werden sollten.
Wir verhielten uns also höflich, hielten gebührenden Abstand und baten um ein schnelles Porträt. Er zeigte sich erstaunlich kooperativ, vermutlich wollte er uns einfach möglichst bald wieder loswerden.
So hatte an diesem Morgen jeder sein Motiv: Enrico die erschöpfte Mutter und ich den Wachmann, der offenbar noch eine komplette Schicht vor sich hatte.
Im Nachhinein muss ich sagen: Der Aufstieg hat sich gelohnt. Aber erzählt das bitte nicht Enrico, sonst glaubt er am Ende noch, seine Motivationstaktik hätte funktioniert.
Ich freue mich auf eure Meinungen und Anmerkungen zum Bild.





